Ayzon e.V.

Bildung  für Kinder und Jugendliche  in Shashemene/Äthiopien                               

Redensart
Ein äthiopisches Sprichwort sagt:
Fünfzig Zitronen für fünfzig Personen sind schmückend.
Fünfzig Zitronen für Einzelpersonen wirken erdrückend.
ሃምሳ ሎሚ ለአንድ ሰው ሸክም ነው ለሃምሳ ሰው ጌጥ ነው
So teilt man einer Person in Afrika sehr höflich umschreibend mit, dass sie den Bogen überspannt hat.

Wir danken unseren Spender Innen, dass sie mit uns zusammen die Last der Verantwortung für 47 Kinder in Shashemene tragen. Danke!


Wie transportiert Shashemene?
Personentransport in Shashemene, das heißt vor allem Bajaj (gesprochen: Badschasch) . Die kleinen wendigen blauen Dreiräder prägen den Straßenverkehr. Personenwagen sind eher selten, dafür gibt es viele LKW.
Ebenfalls häufig findet man auf den Straßen Eselskarren für den Warentransport. Für die Menschen sind diese zu langsam .
Aber Pferdetaxis , die gibt es.
Von uns Europäern wird erwartet, dass wir mit dem PKW fahren, am besten mit einem SUV.
Ayzon e.V. hat dazu nicht das Geld. Deshalb reisen wir Bleichgesichter - von den Einheimischen "ferengi" (Franzosen) genannt - wenn es sich um eine größere Strecke handelt, mit dem Kleinbus .
Normalerweise muss man dafür am örtlichen Busbahnhof sehr lange anstehen . Dazu hat uns wiederum die Zeit gefehlt. Daher haben wir uns einen Kleinbus exklusiv gemietet . Dieser fährt dann sofort los.
Wir wurden von unserem Fahrer gefragt, ob wir noch Leute mitnehmen wollten. Ja, wir wollten, aber nur Frauen . Das gab einen riesigen Aufruhr auf dem gesamten Gelände. Noch nie hatte jemand davon gehört, dass nur Frauen in einem Bus mitfahren durften.
Aber nun war es so. Merkwürdige Ferengi !
Die Frauen in unserem Bus fanden dies eine Superidee und hatten unterwegs viel Spaß , haben gesungen , gelacht und uns zuletzt gesegnet .
Unterwegs hatten wir noch einen sehr alten Mann für eine recht kurze Strecke mitgenommen. Sein Segen für uns war sehr groß und lang. Danke!
Was für ein schönes  Erlebnis !
Und ganz nebenbei war das Ganze auch noch top ökologisch und sparsam . 
Trotzdem sind unsere Kinder dort traurig, dass sie wohl niemals in einem SUV mitfahren können.
Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns!

Wie riecht Afrika?
Jedes Land hat seine eigenen Farben, seine eigenen Gerüche, so auch Afrika! Und vier Himmelsrichtungen dieses riesigen Kontinents würzen viermal ganz unterschiedlich.
Im Westen würzt man zum Beispiel mit Kubebenpfeffer und Paradieskörnern.
Die südafrikanische Küche ist sehr von Europa beeinflusst.
Im Norden wird orientalisch-scharf gegessen und im Osten hat die Küche Einflüsse aus Asien und Indien.
Im Osten - zu ddem auch Äthiopien gezählt wird - wird also richtig scharf gegessen und zum Beispiel mit Berbere gewürzt.
Berbere ist ein Gewürz, welches sich besonders gut für Fleischspeisen, gegrilltes und gebratenes Fleisch eignet.
Was nun genau in Berbere drin ist, ist nicht so ganz einfach zu beantworten, denn irgendwie scheint jede äthiopische Familie eine eigene Berbere-Gewürzmischung zu haben!
Es gibt Berbere sowohl als extrem scharf, aber auch als recht milde Berbere-Mischungen.
Viele Berbere Mischungen bestehen aus Pfeffer, Ingwer, Piment, Kreuzkümmel, Cayennepfeffer, Koriander, Bockshornkleesaat, Muskatnuss, Nelken, Kardamom und Salz.

In Äthiopien verwendet man auch gerne Netch Azmud, einen weißen Kreuzkümmel der durch seinen erdigen Geschmack begeistert.
Geschmacklich schärfer als herkömmlicher Pfeffer sind die Pfefferzapfen. Diese werden gerne in typischen Eintöpfen verwendet zusammen mit Muskat, Gewürznelken und Kurkuma.
Hähnchengerichte und Ragouts werden landestypisch mit Kurkuma gewürzt und geben dem Reis eine schöne Farbe.
Afrika ist bunt, vielfältig und mit all diesen Gewürzen immer eine geschmackliche Besonderheit.
Wenn Sie die Augen schließen und all diese Namen auf sich wirken lassen, riechen Sie Afrika und seine vielfältigen Gewürze und Kräuter!
Hinweis: Im November bieten wir einen Adventskalender mit äthiopischen Kräutern und Gewürzen zum Kauf an. Vorbestellungen sind jederzeit per Email möglich.


Injera 
Äthiopien ohne Injera? Undenkbar!
Injera ist im täglichen Leben in Äthiopien nicht wegzudenken, es ist ein Grundnahrungsmittel. Injera gibt es zu allen Gelegenheiten, morgens, mittags abends, nachts, im Alltag und an Festtagen.
Injera ist ein Sauerteigfladen, dünn wie ein Pfannkuchen, welcher aus Teff zubereitet wird.
Nun fragt sich bestimmt Mancher, was denn Teff ist?
Teff ist das kleinste Getreide der Welt, die Zwerghirse.
Zwerghirsekörner sind, wie es der Name schon vermuten lässt, wirklich winzig, aber gleichzeitig sind es wahre Powerkörner!
Das Getreide ist glutenfrei, enthält bestimmte Aminosäuren und ist auch für Veganer und Sportler gleichermaßen gut geeignet.
Möchte man nun Injera zubereiten, dann wird das Teffmehl mit Wasser zu einem Teig vermischt und diesen lässt man einige Tage gären.
Später wird der flüssige Teig auf eine heiße Tonplatte gegossen und gebacken.
Injera hat eine porige Textur (wie Steinpilze) und ist somit ideal geeignet um z.B. Soßen damit aufzunehmen.

Oft ist Injera Speise, Teller und Besteck gleichzeitig. Man reißt ein Stück davon ab und greift damit Soße, Gemüse oder Fleisch vom gemeinsamen großen Teller und ab in den Mund.
Es wird alleine, aber auch zu Gemüse oder Fleischragout-Gerichten gereicht, welche oft mit stark gewürzten Saucen oder Pasten angerichtet sind.
Der säuerliche Geschmack des Injera bietet einen tollen Kontrast zu den oft scharfen Gerichten.
Unsere Kinder lieben Injera!
Europäische Mägen müssen sich meistens erst an die fermentierten Fladen gewöhnen, darum sollte man langsam probieren. 😊


Kinderalltag in Äthiopien
Der Alltag „unserer“ Kinder in Shashemene besteht von ganz klein auf aus Pflichten. Die alleinerziehenden Mütter sind auf die Unterstützung durch ihre Kinder angewiesen, um ihren Alltag überhaupt irgendwie meistern zu können.
Die Großen (ab 10 Jahren) müssen arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Typische Tätigkeiten sind: Handlanger auf dem Bau oder bei der Autoreparatur, Wäsche waschen gegen einen geringen Lohn, Müll sammeln, sehr schwere Lasten tragen bzw. transportieren usw.
In der mittleren Altersklasse (5 – 10) wird verlangt, dass die Kinder auf dem Markt alles Brauchbare sammeln, viel im Haushalt helfen, notfalls wird mangels Alternativen gebettelt.
Die Jüngeren müssen ebenfalls im Haushalt helfen und auf die Allerjüngsten aufpassen.
Zeit für die Schule bleibt nicht, Geld für den Schulbesuch ist keines vorhanden.

Unterdessen sind die Mütter unterwegs, um irgendeine Gelegenheitsarbeit zu finden, jeden Tag, immer wieder. Eine Chance auf eine feste Anstellung haben sie ohne Bildung nicht.
Oft werden die ältesten Söhne nach Addis Abeba geschickt, um sich dort alleine zu ernähren oder – besser noch – Geld für die Familie zu verdienen. Die meisten fristen ihr Dasein dort auf der Müllkippe.
Um diese Schicksale zum Besseren zu wenden, haben wir im Juni 2021 den gemeinnützigen Verein Ayzon e.V. gegründet.

Ayzon e.V. unterstützt, indem wir Schulgebühren, Schuluniformen, Lernmaterial und der Familie einen kleinen Zuschuss zum Lebensunterhalt bezahlen.
Durch diesen Zuschuss kompensieren wir die Einnahmen, die die Kinder während der Unterrichtszeit hätten verdienen können.

 
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